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pokerturniere strategie

Zu Beginn einige Worte über die Besonderheiten von Online-Pokerspielen. Bei Offline-Spielen können Tourniere einigermaßen lange dauern, sogar mehrere Tage lang, besonders, wenn eine große Anzahl Teilnehmer beteiligt ist. Beim Internet-Poker ist das anders, weil der Spielverlauf im Vergleich mit „Reality“-Poker prinzipiell viel intensiver ist. Das wird dadurch erreicht, dass die Kartenausgabe durch den Computer wesentlich schneller vor sich geht, das Programm selbst die Spieler versetzt, und auch durch die begrenzte Bedenkzeit für Spielzüge.

Viele gute Spieler, die Erfahrung im nicht tourniermäßigen Spiel gesammelt haben, kommen oft bei Tournieren überhaupt nicht zurecht, aufgrund der Unterschiede dieser beiden Sphären. Das Pokerspiel bei Tournieren verlangt einen anderen Ansatz, und der Spieler muss seinen Spielstil ändern.

Traditionell kann der Ablauf eines Tournieres in drei Etappen dargestellt werden, und zwar:

Anfangsetappe: Bei dieser Etappe werden viele glücklose und unerfahrene Spieler heraus gefiltert, da es ernsthafte Konkurrenz erfahrener Spieler und Experten gibt. Sobald alle „schwachen“ Spieler aus dem Spiel ausgeschieden sind und man es nur mehr mit starken Pokerspielern zu tun hat, geht das Spiel fließend in die mittlere Etappe über. Wenn es dann zu den Finaltischen geht, sind unter normalen Umständen in den meisten Fällen nur mehr wirklich starke Spieler übrig geblieben, und, nach der Wahrscheinlichkeitstheorie, auch noch einige „mittlere“, die ganz einfach das nötige Spielglück hatten. Auch das kommt natürlich vor – immerhin ist es ein Spiel, und das Element des Glücksfalls kann und darf auf keinen Fall daraus ausgeschlossen werden.

Man darf allerdings die oben stehende Information nicht als Axiom auffassen. Schließlich ist jedes Tournier vom Kontingent der Spieler her sehr individuell gestaltet, und es kann vorkommen, dass es wenige oder gar keine schwachen Spieler gibt, oder die mittlere Etappe kann früher beginnen, als man denkt.

Professionelle Tournierspieler geben eine Reihe von Empfehlungen in Bezug auf jede der Etappen des Spiels.

Was die Anfangsetappe betrifft, wird geraten, so vorsichtig und sparsam als möglich zu spielen. In der englischen Terminologie existiert der Begriff “tight“, der eben diese Spielart bezeichnet: sparsam und vorsichtig. Diese beiden Ausdrücke sind von ihrer Bedeutung faktisch gleichwertig. Es bedeutet, auf keinen Fall versuchen zu wollen, mit den mittleren (nach Spielstärke) Kartenkombinationen irgend etwas besonderes anstellen zu wollen. Genau das ist nämlich einer der größten und ernsthaftesten Trugschlüsse unter Anfängern. Man sollte das nicht tun, sondern es ist – genau im Gegensatz dazu – wichtig, völlig entgegen gesetzt zu spielen. In diesem Stadium sind die Karten billig, dafür muss man aber äußerst wählerisch sein. Man muss einfach tight spielen. Es handelt sich hierbei um ein ungeschriebenes Gesetz. Man kann mit solchen Kombinationen spielen, wie JJ, QQ, AA, oder AK gleicher Farbe. Es wird auch nicht empfohlen, zu bluffen. Es sollten besser die schwachen und unerfahrenen Spieler (im Jargon: die «Fische») sich outen und heraus filtern, ohne dass man ihretwegen seine Jetons riskiert. Man sollte das Ziel verfolgen, sich an eine bessere Position zu spielen.

Wenn zur Tourniermitte nur mehr oder weniger ernst zu nehmende Spieler übrig bleiben, macht es Sinn, sich daran zu orientieren, die Jetons anderer Spieler zu gewinnen. Das wird zu dem Zweck gemacht, damit man bei den Spielen am Finaltisch eine beeindruckende Anzahl an Jetons zur Verfügung hat, oder zumindest eine durchschnittliche Summe. Folgendes sollte berücksichtigt werden: Wenn man sich in den frühen Stadien des Spiels tight gibt, erzeugt man dadurch ein dem entsprechendes Image, und jeder Einsatz, jede Erhöhung, die man vornimmt, wird dann von den übrigen Spielern entsprechend als ernsthafte Absicht und Stärke aufgenommen. Dadurch kann man sich einen ansehnlichen Stapel an Jetons im Spiel sichern.

Noch ein Rat: Mann sollte auch nicht nach allen Seiten bluffen, wenn man sich das Image eines tighten Spielers erarbeitet hat.

Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass man schon in der mittleren Etappe aus dem Spiel ausscheidet, und doch wird empfohlen, zu diesem Zeitpunkt zu riskieren und so viele Jetons als möglich zu erwerben, da es nichts Schlimmeres gibt, als am Finaltisch mit einer geringen Reserve an Jetons zu sitzen und diese für erzwungene Einsätze zu vergeuden, und einem selbst nichts übrig beibt. Man sollte ein gewisses Risiko eingehen.

Da ist er nun, der heiß ersehnte Finaltisch! In diesem Moment kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass die ganze Stärke in der Anzahl der Jetons liegt. Die Karten sind schon nicht mehr so wichtig. Die Jetons bedeuten die nötigen Handlungsreserven. Jetzt kann man durchaus riskanter und entfesselter spielen. Man sollte natürlich seine Grenzen kennen, aber es ist absolut zulässig, auf all-in (alles einsetzen) zu spielen, wenn man eine ernst zu nehmende Kartenkombination in der Hand hat. Jeder Gegner, der aus dem Spiel ausscheidet, bedeutet einen kleinen Sieg auf dem Weg zum Ziel.

Es sei nochmals zusammen gefasst, dass man in den Anfangsetappen tight spielen sollte, in den Endspielen jedoch mit einem vernünftigen Maß an Risiko.